AMD verkauft jetzt einen Mini-PC unter eigenem Namen. Die AMD Ryzen AI Halo Developer Platform, eine Box für $3,999 rund um den Ryzen AI Max+ 395 mit 128 GB Unified Memory, ist seit dem 8. Juni 2026 exklusiv bei Micro Center in den USA vorbestellbar, die Verfügbarkeit im Laden wird um den 10. Juli 2026 erwartet. Für ein Unternehmen, das den Systembau stets seinen OEM-Partnern überlassen hat, ist ein Strix-Halo-Mini-PC aus eigener Hand echtes Neuland, und er kommt als direkte Antwort auf NVIDIAs DGX Spark.
Was ist die AMD Ryzen AI Halo Developer Platform?
Es handelt sich um eine kompakte KI-Entwicklungs-Workstation (etwa 150 × 150 × 43 mm und knapp über ein Kilogramm), die AMD als Referenzmaschine für lokale LLM-Arbeit auf seiner Hardware positioniert. Bei Micro Center gibt es zwei SKUs: 711961 wird mit Ubuntu Linux ausgeliefert, 711962 mit Windows 11 Pro. Die Hardware ist identisch, nur das Betriebssystem unterscheidet sich, und beide kosten $3,999.
Diese Einordnung ist für die gesamte Kategorie wichtig. Beelink, GMKtec, Framework und HP liefern seit über einem Jahr Boxen mit Ryzen AI Max+ 395 aus, doch jeder Hersteller hat eigene Entscheidungen bei Kühlung, Anschlüssen und Firmware getroffen. Der Ryzen AI Halo ist die Box, die AMD selbst für angemessen für dieses Silizium hält: der Maßstab, an dem sich jeder Strix-Halo-Mini-PC wie der Beelink GTR9 Pro künftig messen lassen muss.
Was bestätigt ist: Daten und Software
Laut AMDs Produktseite und den Micro-Center-Einträgen:
- CPU: Ryzen AI Max+ 395, 16 Zen-5-Kerne / 32 Threads, bis zu 5,1 GHz, 80 MB Cache insgesamt
- GPU: integrierte Radeon-8060S-Grafik, 40 RDNA-3.5-Compute-Units
- NPU: XDNA 2 mit ~50 TOPS, AMD nennt ~126 TOPS für die gesamte Plattform
- Speicher: 128 GB LPDDR5x-8000 Unified Memory (verlötet; das ist bei Strix Halo immer so, keine Entscheidung des Herstellers)
- Massenspeicher: 2-TB-SSD mit PCIe Gen 4
- Konnektivität: 4× USB-C, HDMI 2.1, 10 Gigabit Ethernet, Wi-Fi 7, Bluetooth 5.4
- KI-Versprechen: Laut AMD fasst der 128-GB-Pool quantisierte lokale Modelle bis etwa 200 Milliarden Parameter
Auf der Softwareseite liegt der eigentliche Unterschied laut ServeTheHome im Stack: ein Paketmanager namens AMD Ryzen AI Development Center, vorinstallierte Playbooks und validierte Modellunterstützung. Das ist eine bewusste Spiegelung des Entwicklererlebnisses von NVIDIAs DGX Spark, wahlweise unter Linux oder Windows.
Ein Hinweis zur Namensgebung: Dieses Gerät nutzt den Ryzen AI Max+ 395 der 300er-Serie, nicht den neueren Refresh Ryzen AI Max 400 „Gorgon Halo“ mit seiner Obergrenze von 192 GB. Marktplatz-Einträge und Schlagzeilen vermischen die beiden bereits; es sind unterschiedliche Chips.
Was noch unbekannt ist
- Netzteil. Berichte deuten auf ein externes Netzteil mit etwa 120 W hin, doch AMDs Datenblatt bestätigt keine Leistung; der Wert gilt als ungefähr, bis Geräte ausgeliefert werden.
- USB-C-Datenraten. AMD nennt vier USB-C-Ports, ohne anzugeben, welche davon (wenn überhaupt) USB4/40 Gbps unterstützen.
- Temperaturen unter Dauerlast. Ein Gehäuse der 1-Liter-Klasse rund um einen Chip, der 120 W ziehen kann, ist genau die Stelle, an der Strix-Halo-Boxen anderer Hersteller Probleme hatten; Langzeit-Temperaturdaten zu AMDs eigener Kühlung hat noch niemand veröffentlicht.
- Breitere Verfügbarkeit. Zu Verkäufen jenseits der Micro-Center-Exklusivität mit Abholung im Laden oder zu internationalen Startplänen gibt es keine Aussagen.
AMD Ryzen AI Halo vs. NVIDIA DGX Spark: Welcher ist der bessere Kauf?
Der NVIDIA DGX Spark startete zum selben Preis von $3,999, ist aber wegen Engpässen bei LPDDR5X und NAND inzwischen auf etwa $4,700 gestiegen, was AMD einen Preisvorteil von ~$700 verschafft. Der Spark kontert mit deutlich stärkerer Tensor-Hardware und dem CUDA-Ökosystem (erste Tests von Tom’s Hardware zeigen, dass der Ryzen AI Halo beim rohen Inferenz-Durchsatz hinter GB10-Boxen zurückliegt), AMD dagegen mit x86-Kompatibilität und einer echten Windows-11-Option, die keine GB10-Maschine bietet. Gleiche Speicherkapazität, anderer Kompromiss: Ökosystem gegen Preis und Flexibilität beim Betriebssystem.
Was das für Mini-PC-Käufer bedeutet
Für die meisten ist nicht diese Box selbst die interessante Folge, sondern der Druck, den sie auf den Markt ausübt. Mit $3,999 hat AMD einen Preisanker aus erster Hand gesetzt, der deutlich über dem liegt, was OEMs für dasselbe Silizium verlangen: Vergleichbare Max+-395-Geräte mit 128 GB wie der GMKtec EVO-X3 kosten erheblich weniger. AMDs Aufpreis bezahlt man für den kuratierten Software-Stack, 10GbE und die Gewissheit, dass der Plattformhersteller selbst validiert hat. Wer nur Strix-Halo-Hardware für lokale Modelle der 70B- bis 200B-Klasse will, fährt mit den OEM-Boxen weiterhin günstiger; wer die kanonische Zielplattform für Entwickler will, findet sie jetzt hier. Passend dazu: wie Modelle der 70B-Klasse auf dem GMKtec EVO-X2 laufen und was NPU, iGPU und CPU jeweils für lokale LLMs leisten.
Zeitplan und Preisausblick
Die Vorbestellungen starteten am 8. Juni 2026; Micro Center nennt für die Abholung im Laden etwa den 10. Juli 2026, also praktisch diese Woche. Der Preis ist mit $3,999 für beide Betriebssystem-SKUs bestätigt. Einen vollständigen Test veröffentlichen wir, sobald wir Seriengeräte unter Dauerlast und mit lokaler Inferenz prüfen können; bis dahin sollten Leistungsangaben (auch unsere) als vorläufig gelten.